Kommen wir nun zum Aufbau der einzelnen Bauarten, deren Funktionen, wie auch deren Vor- und Nachteile. Zuerst betrachten wir den Aufbau eines Refraktors. Das Licht fällt ins Objektiv (Linse), wird gebündelt durch den Tubus geleitet und zum sogenannten Brennpunkt geworfen. Hier treffen die Lichtstrahlen zusammen und ergeben ein Abbild des beobachteten Objekts. An diese Stelle wird das Okular gesetzt, welches wie eine Lupe funktioniert und das kleine Bild für das Auge vergrössert. Der Vorteil des Refraktors ist seine Brillianz, die Schärfe sowie der Kontrast. Ebenso spricht für ihn, dass er keine Obstruktion besitzt, d.h. keine Abschattung durch einen vorhandenen Fangspiegel. Er hat meist eine lange Brennweite und ermöglicht daher hohe Vergrösserungen. Natürlich gibt es auch kurzbrennweitige Refraktoren, die oft als Rich Fielder dienen.

Obwohl er meist hohe Vergrösserungen erlaubt, sollte man darauf achten, dass die maximal sinnvolle Vergrösserung nicht überschritten werden sollte. Seine Blende ist meist sehr groß, daher eignet sich der Refraktor nicht so gut für die Astrofotografie. (Die Begriffe Vergrösserung, maximal sinnvolle Vergrösserung sowie Blende werden im Menüpunkt "Wissenswertes über Teleskope" beschrieben). Die Objektivlinse des Refraktors ist fest eingebaut, dadurch wird der Tubus staubdicht. Refraktoren sind ab Werk fest eingestellt und müssen in der Regel selten vom Benutzer nachjustiert werden (die sogenannte Kollimation, siehe auch "Wissenswertes über Teleskope").

Im Gegensatz zu den Spiegelfernrohren nimmt das Objektiv das Licht ganzflächig auf, daher kann der Refraktor das sämtliche, einfallende Licht nutzen. Es gibt eine Faustformel, die besagt, dass ein Refraktor in etwa gleichstark ist, wie ein Spiegelteleskop mit 25 bis 30% mehr Öffnung. Der Refraktor liefert ein Bild, welches auf dem Kopf steht und seitenverkehrt ist. Durch die Verwendung eines Zenitprismas oder -spiegels kann man das "auf-dem-Kopf-stehen" zwar umkehren, jedoch bleibt das Bild seitenverkehrt. Erst durch die Verwendung eines Amiciprismas (geeignet für die Erdbeobachtung) bekommt man ein aufrechtstehendes und seitenrichtiges Bild.

Die Frage, ob Refraktor (am liebsten Voll-Apo) oder Reflektor, spaltet die Astrogemeinde in verschiedene Lager und löst meistens einen Glaubenskrieg aus. Der Eine mag dies, der Andere das. Viele erfreuen sich an der klassischen Form eines Refraktors und die meisten Hobbyastronomen besitzen sowieso meist mehrere Geräte. Am besten entscheidet jeder für sich selber, was für ihn das Beste ist.





 

Nun schauen wir uns den Aufbau eines Newton-Spiegelteleskops an. Anstelle der Linsen fungieren hier Spiegel als das Objektiv. Das Licht fällt durch die ringförmige Öffnung um den Fangspiegel herum in den Tubus. Es gelangt zum Hauptspiegel, von wo aus es zum Fangspiegel zurück reflektiert wird. Dieser ist schräg angeordnet, und leitet das Licht in einem 90 Winkel durch den Okularauszug nach aussen, wo es ins Okular fällt.

Da sich der Fangspiegel im Weg des einfallendes Lichts befindet, kann das Licht nur ringförmig in den Tubus gelangen und nicht mit voller Fläche. Dies bedeutet einen Lichtverlust, worunter auch der Kontrast leidet. Der Tubus ist auf der Eintrittsseite offen, sodass Staub in den Tubus gelangen kann, wodurch das Teleskop leicht verschmutzt. Allerdings kann es dank offenem Tubus schneller auskühlen und ist so schneller einsatzbereit. Der Hauptspiegel muss, ebenso wie der Fangspiegel, in manchen Fällen (z.B. nach einem Transport im Auto) neu justiert werden. Mit einem Justierlaser oder Justierokular (Cheshire) ist dies jedoch kein Problem.

Das Newton liefert ein Bild, welches auf dem Kopf steht, jedoch seitenrichtig ist. Leider kann man hier meist keine Prismen verwenden, da der Fokussierweg eines Newton-Okularauszuges meist sehr klein ist. Es gibt auch Sonderformen des Newton-Teleskops wie z.B. ein Schmidt-Newton oder ein Maksutow-Newton. In diesem Fall ist der Tubus an der Eintrittsöffnung ebenfalls verschlossen, was zwar weniger Staub in den Tubus gelangen lässt, jedoch die Auskühlungszeit erhöht. Bei der Schmidt-Variante verwendet man eine Schmidt-Korrekturplatte in der Öffnung, bei der Maksutow-Variante eine Meniskuslinse.





 

Nun kommen wir zum Schmidt-Cassegrain Teleskop (SC). Es handelt sich hierbei um ein Cassegrain-Teleskop, welches mit einer Schmidt-Korrekturplatte versehen ist. Das Licht fällt durch die Schmidt-Korrekturplatte ringförmig in den Tubus ein und gelangt zum Hauptspiegel. Von dort wird es reflektiert und zum Fangspiegel geworfen. Dieser wiederrum wirft das Licht zum Hauptspiegel zurück. Dort befindet sich in der Mitte eine Öffnung (Mittenbohrung), durch die das Licht den Tubus verlässt und ins Okular gelangt. Im Gegensatz zum Newton Teleskop ist die Eintrittsöffnung beim SC mit einer Korrekturplatte verschlossen, sodass auch hier der Tubus staubdicht bleibt.

Auch das SC hat einen gewissen Lichtverlust, da auch hier nur eine ringförmige Eintrittsöffnung vorliegt (in der Schmidt-Platte ist der Fangspiegel integriert) und der Hauptspiegel eine Öffnung besitzt, welche die lichtsammelnde Fläche verkleinert. Der grosse Vorteil des SC liegt in seiner extrem kurzen Bauform, die jedoch einen hohen Durchmesser aufweist. Dadurch hat man eine sehr grosse Öffnung, sodass viel Licht eintreten und gesammelt werden kann. Allerdings ist das SC auch die teuerste der hier vorgestellten Bauarten. Durch die Schmidt-Korrekturplatte (SC) bzw. die Meniskuslinse (Maksutow) erhöht sich das Gewicht eines solchen Geräts erheblich und die Auskühlzeit wird deutlich verlängert.

Es liefert ein Bild, welches auf dem Kopf steht und seitenverkehrt ist. Die extrem langen Brennweiten entstehen durch die gefaltete Bauweise sowie den konvex geformten Fangspiegel, welcher den Lichtstrahl wieder ein wenig streut und den Brennpunkt weiter nach aussen verlagert. Beim Schmidt-Cassegrain erfolgt die Fokussierung nicht durch eine Stellungsänderung des Okulars am Okularauszug, sondern durch eine Verschiebung des Hauptspiegels.

Die hier vorgestellte Funktionsweise sowie die Vor- und Nachteile des SCs gelten im Großen und Ganzen auch für das ebenfalls beliebte Maksutow-Cassegrain Teleskop, wobei hier die Tubusöffnung durch eine Meniskuslinse verschlossen ist.







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